Open vs. Closed Captions – und wo Untertitel und SDH ins Bild passen

Was jeder Begriff wirklich bedeutet, was das Publikum mit welcher Untertitelart tun kann und was nicht – und warum viele Creator beides veröffentlichen.

Aktualisiert am 8 Min. LesezeitVom AutoCap-Team

Vier Begriffe erklärt

Diese Begriffe werden oft synonym verwendet, beschreiben aber Verschiedenes – und der Unterschied entscheidet darüber, was dein Publikum tun kann.

  • Fest eingeblendete Untertitel (Open Captions) sind Teil des Bildes. Sie wurden beim Export in die Videobilder gerendert, deshalb kann sie niemand ausschalten. Man nennt sie auch eingebrannte Untertitel, hartcodierte Untertitel oder Hardsubs.
  • Zuschaltbare Untertitel (Closed Captions) sind eine separate Spur aus Text mit Zeitangaben – eine Begleitdatei wie SRT oder VTT oder Untertiteldaten, die im Video mitgeführt werden –, die der Player nur einblendet, wenn das Publikum sie einschaltet. Erkennbar sind sie an der CC-Schaltfläche.
  • Untertitel (engl. Subtitles) sind laut HTML-Standard eine Transkription oder Übersetzung der Dialoge für den Fall, dass der Ton zwar zu hören ist, aber nicht verstanden wird – typischerweise, wenn jemand ein Video in einer fremden Sprache schaut.
  • SDH, Untertitel für Hörgeschädigte (Subtitles for the Deaf and Hard of Hearing), sind Untertitel, die dieselbe Aufgabe erfüllen wie Captions im Englischen: Dialoge plus Kennzeichnung der Sprechenden, Geräusche und Musik. Der Begriff taucht im European Accessibility Act und in Styleguides von Streamingdiensten wie Netflix auf.

WCAG, der Standard für Barrierefreiheit im Web, definiert Untertitel (engl. Captions) als synchronisierte visuelle oder textliche Alternative für gesprochene und nicht gesprochene Audioinhalte, die zum Verständnis nötig sind. Ihre Anmerkungen ziehen dieselbe Grenze wie dieser Ratgeber: Zuschaltbare Untertitel lassen sich bei manchen Playern ein- und ausschalten, fest eingeblendete nicht – etwa wenn der Text ins Videobild eingebettet ist. Die Anmerkungen weisen auch darauf hin, dass Captions in manchen Ländern „Subtitles“ heißen. Die Richtlinien der BBC etwa verwenden „Subtitles“ für Text, der sich vor allem an Menschen mit Hörverlust richtet.

Open Captions (eingebrannt)

Fest eingeblendete Untertitel sind Pixel. Nach dem Export gehören die Wörter genauso zum Bild wie das Gesicht der sprechenden Person. Das hat Vor- und Nachteile.

Was du gewinnst

  • Das Aussehen liegt ganz bei dir. Schrift, Größe, Farbe, Kontur, Animation und Position sind genau so, wie du sie gestaltet hast. Wort-für-Wort-Hervorhebungen und Markendesign gibt es nur auf diesem Weg.
  • Überall dasselbe Ergebnis. Die Untertitel überstehen Downloads, Reposts, Messenger-Apps und Plattformen, die keine Untertiteldateien akzeptieren, und hängen von niemandes Einstellungen ab.
  • Immer sichtbar. Niemand muss erst die CC-Schaltfläche suchen. In einem Feed, in dem ohne Ton gescrollt wird, kommt es genau darauf an.

Worauf du verzichtest

  • Steuerung durch das Publikum. Wer größeren Text oder stärkeren Kontrast braucht, kann nichts daran ändern, und wen Untertitel ablenken, kann sie nicht ausblenden.
  • Maschinenlesbarer Text. Für Software sind eingebrannte Untertitel Teil des Bildes. Screenreader und Braillezeilen können sie nicht lesen, und ein Player kann sie weder übersetzen noch in einer anderen Sprache anzeigen.
  • Einfache Korrekturen. Ein Tippfehler bedeutet, das Video erneut zu exportieren und hochzuladen.
  • Mehrere Sprachen. Jede Sprache braucht einen eigenen Export.
  • Ein freies Bild. Eingebrannter Text kann mit Grafiken im Bild, App-Buttons oder den plattformeigenen Untertiteln kollidieren, wenn jemand diese einschaltet.

Closed Captions (zuschaltbar)

Eine zuschaltbare Untertitelspur ist Text mit Zeitangaben. Der Player entscheidet, wie er ihn darstellt, und das Publikum, ob es ihn sieht.

Was du gewinnst

  • Steuerung durch das Publikum. Untertitel lassen sich ein- und ausschalten, und in vielen Playern kann das Publikum Größe, Farbe und Hintergrund ändern. In den USA verlangen FCC-Regeln, dass betroffene Videogeräte – und die Apps, mit denen Distributoren Fernsehprogramme online ausliefern – die Untertitelgröße zwischen 50 % und 200 % der Standardgröße einstellbar machen und die Wahl von Textfarbe, Deckkraft und Schriftart ermöglichen. Die europäische Norm EN 301 549 verlangt ebenso, dass Technik, die Untertitel anzeigt, deren Darstellung anpassbar macht.
  • Echter Text. Die Wörter lassen sich bearbeiten, durchsuchen, in weitere Spuren übersetzen und von Hilfstechnologien verarbeiten. Die EN 301 549 beschreibt sogar einen Modus, der Untertitel vorliest.
  • Leicht zu korrigieren und zu erweitern. Ein falsches Wort korrigierst du, indem du die Datei austauschst. Spanisch oder Deutsch fügst du als zusätzliche Spuren zum selben Video hinzu.

Worauf du verzichtest

  • Sie sind aus, bis jemand sie einschaltet – und das tut nicht jeder.
  • Der Player bestimmt das Aussehen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind begrenzt. YouTube etwa ignoriert Formatierungen in SRT-Dateien und unterstützt in VTT-Dateien nur Fett, Kursiv und Unterstrichen.
  • Sie reisen nicht mit. Nicht jede App und nicht jeder Upload-Vorgang akzeptiert eine Untertiteldatei, und die Untertitelspur geht verloren, wenn ein Video heruntergeladen und erneut gepostet wird.

Untertitel und SDH

Untertitel und Untertitel für Hörgeschädigte können jeweils fest eingeblendet oder zuschaltbar sein. Der Unterschied liegt darin, für wen sie geschrieben sind. Untertitel setzen voraus, dass das Publikum hören kann, und enthalten deshalb die Dialoge und wenig mehr. Untertitel für Hörgeschädigte (SDH) gehen davon aus, dass es nicht hören kann, und geben daher auch wieder, was die Tonspur erzählt. Derselbe Moment auf beide Arten:

subtitles.srt
12
00:03:15,200 --> 00:03:16,900
Hast du das gehört?
sdh.srt
12
00:03:14,300 --> 00:03:15,100
[Tür knallt zu]

13
00:03:15,200 --> 00:03:16,900
[Maya] Hast du das gehört?

Styleguides formatieren das unterschiedlich. Der englische Styleguide von Netflix setzt Sprecherangaben und Geräusche in eckige Klammern, kleingeschrieben außer bei Eigennamen, und verwendet sie nur, wenn man nicht sieht, wer spricht oder woher ein Geräusch kommt. Die BBC unterscheidet Sprechende durch Textfarben und schreibt Geräusche in weißen Großbuchstaben. Entscheidend ist, dass Menschen, die nicht hören können, die Informationen trotzdem bekommen. Listet ein Player sowohl „English“ als auch „English SDH“, enthält die SDH-Spur die Informationen zum Ton.

Vor- und Nachteile im direkten Vergleich

Fest eingeblendete und zuschaltbare Untertitel im Vergleich
KriteriumFest eingeblendet (eingebrannt)Zuschaltbar (Untertitelspur)
Kann das Publikum sie ausschalten?NeinJa
Kann das Publikum Größe oder Stil ändern?NeinOft, je nach Player
AussehenGenau wie gestaltet, inklusive AnimationVom Player bestimmt, begrenzt gestaltbar
Funktioniert auf jeder PlattformJa – sie sind Teil des VideosNur wo Untertiteldateien unterstützt werden
Übersteht Downloads und RepostsJaMeist nicht
Lesbar für Screenreader und ÜbersetzungstoolsNeinJa
Mehrere SprachenEine pro exportiertem VideoViele Spuren in einem Video
Fehler korrigierenErneut exportieren und hochladenUntertiteldatei austauschen
PlatzierungFest; App-Oberfläche einplanenVom Player bestimmt (VTT kann positionieren)
Geliefert alsEine Videodatei mit Text im BildSRT, VTT oder ein anderes Untertitelformat

Was du wo einsetzt

TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts

Brenn sie ein. Kurzvideos im Hochformat laufen in einem Feed auf einem kleinen Bildschirm, oft ohne Ton, und die App-Oberfläche liegt über dem unteren und rechten Bildrand. Mit eingebrannten Untertiteln stimmst du die Textgröße aufs Smartphone ab, hältst den Text von den Buttons fern und nutzt die Wort-für-Wort-Stile, die zum Format passen. Manche Apps erstellen auch eigene automatische Untertitel, aber deren Genauigkeit, Aussehen und ob sie eingeschaltet sind, hast du nicht in der Hand – und schaltet sie jemand ein, können sich die beiden Texte überlagern. Mehr dazu unter Untertitel ins Video einbrennen, Tipps zu Größe und Platzierung in den Best Practices für Untertitel.

YouTube und Vimeo

Lade eine Untertiteldatei hoch. Beide Plattformen akzeptieren SRT und VTT, und das Publikum kann Untertitel bei Bedarf einschalten. YouTube erstellt zwar auch automatische Untertitel, doch die YouTube-Hilfe warnt, dass diese Gesprochenes wegen Akzenten, falscher Aussprache oder Hintergrundgeräuschen falsch wiedergeben können – eine geprüfte Datei ist also besser. Die Schritte findest du unter SRT-Datei zu YouTube hochladen. Veröffentlichst du zusätzlich kurze Ausschnitte eines langen Videos, brenn die Untertitel in die Clips ein und behalte die Untertiteldatei für die vollständige Version.

LinkedIn

Bei einem Clip mit einer Person vor der Kamera in einem beruflichen Feed sind eingebrannte Untertitel der verlässliche Weg, auch ohne Ton verstanden zu werden. LinkedIn lässt dich außerdem eine SRT-Datei anhängen, wenn du über die Desktop-Website postest – so bekommt das Publikum eine zuschaltbare Spur. Hat ein Video beides und schaltet jemand CC ein, erscheint der Text doppelt. Entscheide also, was für diesen Beitrag wichtiger ist.

Kurse, Schulungen und Unternehmenswebsites

Setze auf zuschaltbare Untertitel: eine VTT-Datei in deinem eigenen Player oder die Untertitelfunktion deiner Kurs- oder Videoplattform. Das Publikum ist hier womöglich auf Untertitel angewiesen, um seine Arbeit zu erledigen oder einen Kurs abzuschließen, und muss den Text eher vergrößern oder anders darstellen. Hier greifen auch eher Vorschriften zur Barrierefreiheit – siehe Untertitel und Barrierefreiheitsrecht –, und mit einem Closed-Caption-Generator bekommst du die passende Datei.

Die Kompromisse bei der Barrierefreiheit

Sind eingebrannte Untertitel barrierefrei? Sie sind weit besser als gar keine: Gehörlose Menschen können den Dialogen folgen, und die WCAG-Definition von Untertiteln schließt fest eingeblendete Untertitel ein. In einigen Punkten bleiben sie aber hinter zuschaltbaren Untertiteln zurück:

  • Größe und Kontrast stehen fest. Wer schlecht sieht, kann den Text weder vergrößern noch einen Hintergrund hinzufügen. Die Anforderung der EN 301 549, die Darstellung von Untertiteln anpassbar zu machen, gilt nicht für Untertitel aus nicht veränderbaren Zeichen; als Beispiel nennen ihre Anmerkungen Bitmap-Untertitel. Eingebrannte Untertitel sind der Extremfall.
  • Hilfstechnologien können sie nicht lesen. Wer Screenreader oder Braillezeilen nutzt – auch taubblinde Menschen –, bekommt von Text im Bild nichts mit.
  • Sie lassen sich nicht ausschalten und können wichtige Bildbereiche verdecken – was Untertitel laut den Anmerkungen der WCAG nicht tun sollten.
  • Gestaltung kann das Lesen erschweren. Schnelle Wort-für-Wort-Animationen, dünne Schriften und schwacher Kontrast machen Untertitel für alle schwerer lesbar. Wo die Grenzen liegen, zeigt der Ratgeber mit Best Practices.

Wo Barrierefreiheit zählt – auf der Website einer öffentlichen Stelle, in einem Kurs, auf einer Produktseite –, veröffentliche eine zuschaltbare Untertitelspur, egal ob das Video zusätzlich eingebrannte Untertitel hat.

Warum viele Creator beides machen

Weil beide unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Eingebrannte Untertitel ziehen im stummen Feed die Aufmerksamkeit auf sich und sehen überall gleich aus. Eine Untertiteldatei gibt dem Publikum die Wahl, liefert der Plattform echten Text und kann mehrere Sprachen enthalten. Oft landen die beiden auf verschiedenen Versionen desselben Inhalts: eingebrannte Untertitel in den Hochformat-Clips, eine Untertiteldatei beim vollständigen Video und auf der Website.

Beides kostet wenig Aufwand, wenn beides aus einem Transkript stammt. Korrigiere die Wörter einmal, exportiere ein Video mit eingebrannten Untertiteln und aus derselben Bearbeitung eine SRT- oder VTT-Datei – so taucht jede Korrektur überall auf, und die Versionen widersprechen sich nie. Genau darauf ist AutoCap ausgelegt: Jedes Wort hat sein eigenes Timing, du korrigierst, was das Transkript falsch erkannt hat, wählst einen Untertitelstil und exportierst eine MP4 mit eingebrannten Untertiteln – in den Bezahltarifen zusätzlich SRT- und VTT-Dateien.

Enthält ein einzelnes Video beides, sehen manche den Text doppelt, sobald sie CC einschalten. Bei einem Social-Media-Clip ist das meist ein fairer Kompromiss. Bei Schulungsvideos oder Videos öffentlicher Stellen solltest du überlegen, auf eingebrannte Untertitel zu verzichten, damit die zuschaltbare Spur ihren Zweck erfüllen kann.

Fragen

Sind eingebrannte Untertitel dasselbe wie Open Captions?

Ja. Eingebrannte Untertitel, hartcodierte Untertitel und fest eingeblendete Untertitel (Open Captions) bezeichnen alle Text, der in die Videobilder gerendert wurde. Das WCAG-Glossar beschreibt Open Captions als Untertitel, die sich nicht ausschalten lassen.

Helfen zuschaltbare Untertitel nur gehörlosen Menschen?

Nein. Sie helfen allen, die nicht zuhören können oder wollen: Menschen, die ohne Ton, an einem lauten Ort oder in einer Zweitsprache schauen oder einer schnell sprechenden Person oder einer schlechten Aufnahme folgen.

Sind SDH-Untertitel dasselbe wie Closed Captions?

Sie transportieren dieselben Informationen für dasselbe Publikum: Dialoge, Kennzeichnung der Sprechenden und wichtige Geräusche. SDH, Untertitel für Hörgeschädigte, ist der Begriff im European Accessibility Act und in Styleguides von Streamingdiensten; Closed Captions ist der übliche US-Begriff für eine Untertitelspur, die das Publikum einschalten kann.

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